Partnervorstellungen

28. Februar 2019
Billy

Viele Menschen machen sich Vorstellungen von irgendwelchen Dingen und sind dann bitter enttäuscht, wenn sich diese nicht bewahrheiten. So gibt es Vorstellungen in bezug auf Situationen, auf irgendwelche Geschehen, auf bestimmte Dinge und Orte, auf Genussmittel usw., wobei die Aufzählung unendlich fortgeführt werden könnte. Wovon jedoch hier die Rede sein soll, ist die Vorstellung, die sich Menschen von anderen Menschen machen, und zwar besonders hinsichtlich eines Lebenspartners oder einer Lebenspartnerin, was in der Regel nicht nur zu schweren Enttäuschungen, psychischen Schäden und zu Depressionen führt, sondern auch dazu, dass viele Menschen ihr ganzes Leben lang alleine und ledig bleiben oder Partnerschaften eingehen, die schon von allem Anfang an zum Scheitern verurteilt sind.
Sehr viele Frauen und Männer machen sich bewusst, unbewusst oder unterbewusst Vorstellungen darüber, wie ihr Lebenspartner resp. ihre Lebenspartnerin aussehen, gebildet und geartet sein soll, was jedoch in der Regel auf unerfüllbaren Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen beruht. Frauen und Männer träumen in ihren Vorstellungen von einem perfekten Idealpartner resp. von einer Idealpartnerin. Ein perfekter schlanker Körper geistert in den Vorstellungen herum, proportional derart ausgeglichen wie ein Adonis oder eine liebliche Göttin. Jedoch nicht nur ein perfektes Aussehen wird gewünscht, sondern gar die Perfektion der Person, eingeschlossen ein untadeliger Charakter, wie auch gleichgerichtete Interessen in bezug auf Arbeit und Hobbys. Die Vorstellungen ruhen aber auch darin, dass der Partner oder die Partnerin in Anstand und Tugenden erwachsen sein soll, wobei auch ehrliche Liebe und die Willigkeit nicht fehlen darf, eine perfekte Familie mit so und so vielen Kindern und ein eigenes Heim zu gründen. Natürlich darf dabei auch das Materielle nicht zu kurz kommen, denn Geld und Vermögen sind absolut wichtig, weshalb die Lohneinbringung für den Lebensunterhalt, allen Luxus und für alle Wunscherfüllungen beidseitig nicht zu gering sein darf. Rundum gesehen muss der Idealpartner resp. die Idealpartnerin in jeder Beziehung perfekt, vollkommen und willig sein, den gemachten Vorstellungen zu entsprechen. Gerade diese gewünschte Perfektion ist aber eine unerfüllbare Vorstellung, denn einen perfekten und vollkommenen Menschen, und zwar weder eine Frau noch einen Mann, gibt es weder auf der Erde noch irgendwo im Universum. Verrennt sich der Mensch also, weiblich oder männlich, in Vorstellungen des Perfektionismus und der Vollkommenheit in bezug auf einen Lebenspartner oder eine Lebenspartnerin, dann ergibt sich in der Regel die zwangsläufige Folge, dass sich diese Vorstellungen, Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen nie erfüllen.
Vorstellungen sind recht und gut, wenn sich der Mensch etwas vornimmt zu tun, wie z.B. eine Arbeit zu erledigen, ein Haus zu bauen, einen Baum zu pflanzen oder ein Tagwerk zu verrichten, wozu er sich das Endresultat vorstellt und dieses anstrebt, indem er sich darauf einrichtet und darauf hinarbeitet, bis das vorgestellte Ziel erreicht ist und sich also die Vorstellung verwirklicht. Jedoch Vorstellungen in bezug auf einen Menschen zu hegen und zu pflegen, wie dieser in manchen Dingen perfekt oder vollkommen geartet zu sein hat und allen Vorstellungen, Erwartungen, Hoffnungen und Wünschen entsprechen soll, ist schlichtweg einfach illusorisch.
Der Mensch, Frau oder Mann, kann nicht nach seinem Aussehen, nicht nach seinem Geld und Besitz, nicht nach seinem Beruf und Hobby, wie aber auch nicht einfach nach seinen Neigungen, wie auch nicht nach seiner Schlankheit oder Fettleibigkeit beurteilt werden, wenn die Vorstellungen dahingehen. Tatsächlich, der grosse Wert des Menschen liegt in seiner mentalen Grösse, in seinen wahren, ehrlichen, menschlichen und positiven Gedanken und Gefühlen, in seinem Bewusstseins- und Psychezustand, in seiner Einstellung, in seinen Tugenden, in der wahren Liebe sowie in seinem effectiven Wissen und dem inneren Frieden, den er nach aussen zu vermitteln vermag. Der wahre Wert des Menschen fundiert aber auch in seiner inneren Freiheit und Harmonie, die er ebenfalls nach aussen freizugeben vermag. Auch sein Anstand und seine Weisheit nebst vielen anderen hohen Werten sind es, die einen Menschen zum wahren Menschen machen und ihn weit ausserhalb jede Vorstellung setzen.
Ist der Mensch, weiblich oder männlich, bestrebt, einen Partner resp. eine Partnerin nur gemäss seinen Vorstellungen zu suchen und zu akzeptieren, dann bleibt er in der Regel so lange allein, bis er von seinen Vorstellungen abweicht und diese beiseite legt. Und das ist so, weil sich die Vorstellungen niemals oder nur in den allerseltensten Fällen erfüllen werden, denn Vorstellungen in bezug auf Menschen bleiben in der Regel Wunschträume, die oft zur Vereinsamung oder zu Hass auf die Mitmenschen führen, weil sie sich nicht erfüllen lassen. Und findet ein Mensch einen andern, der anscheinend den eigenen Vorstellungen entspricht, dann stellt sich bald heraus, dass alles nur einer Täuschung entspricht und die Vorstellungen plötzlich wie Schall verhallen und sich wie Rauch verflüchtigen.
Oft ist es so, dass eingegangene Beziehungen oder eine bereits geschlossene Ehen langsam zu kriseln beginnen, ohne dass die Partner und Partnerinnen erstlich davon Kenntnis nehmen, was dazu führt, dass die Probleme und Krisen langsam aber sicher immer häufiger werden und immer mehr überhandnehmen. Werden die Dinge nicht umgehend oder wenigstens in einem nützlichen Zeitraum geklärt und behoben, wobei vielleicht eine Kompromisslösung notwendig ist, dann wird damit die Beziehung oder Ehe zum Scheitern verurteilt. Notwendig beim Ganzen ist auch, dass nicht eine Unterjochung oder Hörigkeit des Partners resp. der Partnerin entsteht, sondern dass die persönliche Freiheit in jeder Beziehung gewährleistet ist. Weiter darf es auch nicht in Erscheinung treten, dass der Partner oder die Partnerin nicht kompromissbereit ist und einfach stur und unvernünftig auf einer Meinung oder Linie beharrt, denn durch eine solche Haltung kann kein zweckmässiger und fruchtbarer Meinungsaustausch und keine Einigung, wie aber auch kein Verständnis zueinander und füreinander erfolgen. Es darf auch nicht so sein, dass die eine Partei einfach um des Friedens willen klein beigibt und sich den Forderungen, den Wünschen oder der Meinung usw. des anderen ergibt und einfügt, denn auch diese Handlungsweise ist absolut falsch und führt ins Elend und in die Zerstörung einer Beziehung oder Ehe. Die Regel ist ein böses Erwachen, weil früher oder später nachhaltig festgestellt wird, dass die Vorstellungen falsch, nichtig und unerfüllbar waren, weil alle Dinge, die den Vorstellungen entsprachen, nur ein böses Spiel waren. Disharmonie, Unzufriedenheit, Streit, Hader, Kummer und Sorgen aller Art sind die Folge, was sehr schnell zur Zerrüttung der Beziehung und letztendlich unweigerlich zur Trennung und zur Scheidung führt. Plötzlich ist der Traum zu Ende, der auf unwirklichen Vorstellungen, unerfüllbaren Wünschen, auf falschen Hoffnungen und phantastischen Erwartungen beruhte. Das Ende des Liedes der Vorstellungen ist zwangsläufig das, dass Unfrieden und Unfreiheit sowie bösartige Gifteleien und Eifersuchtsszenen usw. entstehen, dass die Menschen einander zwingend bis zur Unausstehlichkeit nerven, wodurch unweigerlich auch eine Entfremdung zustande kommt – wenn überhaupt jemals eine echte Annäherung und Verbundenheit zueinander bestanden hat. Plötzlich stellt sich heraus, dass die Verbundenheit nur auf blanker Einbildung beruhte, wie auch die vermeintliche Liebe und Zusammengehörigkeit nichts anderes war, als eine durch falsche Vorstellungen und durch Wunschgedanken erzeugte Gefühlsduselei und Gefühlsirre resp. Gefühlswirrnis, die in keiner Weise jemals etwas mit der Wirklichkeit und der Wahrheit zu tun hatten.
Vorstellungen in bezug auf Menschen führen nie zum Erfolg, denn in Vorstellungen erschaffene Idealmenschen existieren nicht und sind folglich illusorisch. Wird aber dieser Tatsache zuwider getan und doch nach Vorstellungen gehandelt, dann ist die Bitternis der bösen Folgen nicht zu vermeiden. Also ist es grundlegend von Wichtigkeit, dass ein Idealpartner resp. eine Idealpartnerin nicht gemäss Vorstellungen, Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen gesucht wird, sondern dass durch gute und klare zwischenmenschliche Beziehungen Kontakte gesucht und geschlossen werden, um den betreffenden Mitmenschen in seinen wahren inneren und äusseren Werten kennenzulernen, um ihn gemäss seinem wahren inneren Wesen zu schätzen und lieben zu lernen. Dabei darf es keine Rolle spielen, welchen Beruf oder welches Hobby gegeben ist sowie welche Gemeinsamkeiten bestehen, welcher Wissens- oder Glaubensrichtung der Mensch angehört und wie das proportionale körperliche Aussehen und die Hübschheit geraten sind usw. Tatsächlich sind das nämlich Nebensächlichkeiten, die in einer guten, wahren und wertvollen Beziehung zwischen männlichen und weiblichen Partnern keine Bedeutung in bezug auf das Menschsein sowie hinsichtlich der Liebe und des gemeinsamen partnerschaftlichen Wohls haben. Auch die körperlichen Ausmasse und die persönlichen Eigenschaften, Gesten und Gewohnheiten usw. sind nicht von Bedeutung, wie auch nicht, wie sich der Mensch kleidet, denn dies sind ebenso rein persönliche Dinge wie auch die persönlichen Interessen und die Meinung oder der Glaube, in die sich niemand einzumischen und dazu keine Forderungen zu stellen hat – auch kein Partner und keine Partnerin. Jeder Mensch hat seinen freien Willen, sein freies Für oder Wider in jeder Sache und Angelegenheit usw., wie aber auch sein freies Handeln, wenn alles des Rechtens und der Ordnung ist. So hat kein Mensch ein Recht, sich in das Leben des Nächsten einzumischen, wenn dieses nach Recht und Gesetz und nach der gegebenen Ordnung geführt wird - und das gilt auch in einer Partnerschaft, weil nur so die persönliche Freiheit erhalten werden kann. Dem Partner oder der Partnerin Vorschriften zu machen, ist nicht des Rechtens und ein bösartiger Eingriff in das Persönlichkeitsrecht sowie eine Beschneidung des freien Willens und der freien Entscheidung. Werden nun aber Vorstellungen von einem Menschen gemacht, dann werden all die Dinge der persönlichen Freiheit usw. zwangsläufig in Frage gestellt, denn wenn in bezug auf einen Menschen Vorstellungen gehegt und gepflegt werden, dann wird automatisch ein Zwang auf den anderen ausgeübt und versucht, diesen anderen Menschen mit allen unlauteren Mitteln nach dem eigenen Vorbild zu schablonisieren. So sind Vorstellungen in bezug auf einen anderen Menschen also für diesen mit zwingenden Voraussetzungen verbunden, die den gehegten Vorstellungen entsprechen müssen. Das aber bedeutet, dass dem Menschen, auf den die Vorstellungen ausgerichtet sind, die persönliche Freiheit streitig gemacht oder gleich effectiv entzogen wird. Das, weil die Vorstellungen nämlich etwas von ihm fordern, dem er nicht entsprechen und nicht gerecht werden kann, weil das Ganze einzig und allein ein unerfüllbares Produkt der Vorstellung eines anderen Menschen ist, dem nicht Folge geleistet werden kann, wenn der Mensch sich selbst bleiben, seine persönliche Freiheit und seinen Frieden bewahren und dem andern, der durch seine Vorstellungen unerfüllbare Forderungen stellt, nicht hörig und nicht unterwürfig werden will. Also kann und darf eine Beziehung oder Partnerschaft niemals auf Vorstellungen, Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen sowie nicht auf Forderungen und nicht auf Vorschriften usw. aufgebaut sein, denn sonst ist sie ebenso unweigerlich zum Scheitern verurteilt, wie wenn diese Dinge erst im Laufe der Zeit nach einer Partnerschaftsschliessung zutage treten. Wird aber trotzdem auf diesem Weg eine Beziehung oder Partnerschaft geschlossen, dann hat sie darum keinen Bestand, weil im Laufe der Zeit ein Erwachen in der Weise erfolgt, dass nämlich die Realität durchbricht, weil beim vorstellungsmässig erhofften Idealpartner resp. der Idealpartnerin langsam aber sicher alle jene Dinge durchbrechen und zum Vorschein kommen, die weit vom vorstellungsmässigen Idealbild entfernt sind. Die Regel beweist, dass wenn eine Beziehung zustande kommt, dass sich der Mensch dann nur von seiner scheinbar besten Seite gibt, die jedoch – je nachdem – langsam oder schnell zusammenbricht und der Wirklichkeit und somit dem wirklichen Wesen des betreffenden Menschen Platz macht und dieses je länger, je mehr zum Durchbruch bringt. Also löst sich das Idealbild über kurz oder lang auf, wodurch aus den Vorstellungen, Wünschen, Erwartungen und Hoffnungen unweigerlich ein Zustand des Haders, der Streiterei, der Zerrüttung, der Eifersucht und des blanken Beziehungs- oder Ehehorrors usw. entsteht.
SSSC, 20. Juni 2005, 16.35 h Billy

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