Was unter Moral und Tugend
zu verstehen ist ...

5. Juni 2022
Karin

Moral
Unter Moral ist die eigentliche Erfüllung der Werte Pflicht, Gehorsam, Gesetz, Sitte, Brauch und Ordnung zu verstehen, wobei der Grundbestand sittlicher Verhaltensweisen an erster Stelle steht. Früher hat der Mensch die Moral auf die Bibel bezogen, folglich die Religionen und Sekten widerrechtlich in Anspruch nahmen – und es noch immer tun –, dass das Aufkommen der Moral ihr Werk sei. Dies jedoch entspricht einer blanken selbstsüchtigen religiös-sektiererischen Lüge, denn die Grundimpulse der Moral sind dem Menschen seit Urzeiten durch die schöpferisch-natürlichen Gesetze und Gebote vorgegeben. Folgedem schlummern sie in ihm und müssen von ihm nur erweckt, wahrgenommen, aufgearbeitet und im Leben umgesetzt werden. Etwas der Wahrheit nahe kam Immanuel Kant, jedoch ohne die tatsächliche Wahrheit zu ergründen, denn er erklärte, dass nicht ein imaginärer und vermeintlicher Gott – der ja effectiv nicht existiert – der Urheber der Moral des Menschen sei, sondern dass dieser es selbst sei, der versuchen müsse, mit Hilfe seines Verstandes die Fragen der Moral zu lösen. Der Begriff Moral geht auf das lateinische Wort ‹ moralis› zurück, das eigentlich die ‹ Sitte› und dergleichen bedeutet. Eine Sitte ist eine menschliche Umgangsform resp. eine Verhaltensweise in Form einer Gepflogenheit. Die Moral beschreibt hauptsächlich Handlungen, die der einzelne Mensch oder die Gesellschaft von Mitmenschen erwartet, wobei sie dafür sorgen soll, dass die Menschen ein bestimmtes sittliches sowie korrektes Verhalten an den Tag legen. Moral entspricht dem Gegenteil böser Handlungen und Verhaltensweisen, folglich in diesem Fall von ‹ guter Moral› gesprochen wird, eben dann, wenn sich der Mensch vor allem durch Verhaltensweisen zum Ausdruck bringt, die allgemein als richtig, gut sowie als gerechtes Handeln angesehen und beurteilt werden. Wenn z.B. geholfen wird, einen Konflikt zwischen Menschen friedlich und ohne Gewalt beizulegen resp. zu schlichten, dann entspricht das einer moralisch guten Handlung. Moral findet ihren wahrheitlichen Ursprung im tiefen Innern des Menschen selbst, und zwar – wie erklärt – in Impulsen schöpferisch-natürlicher Gesetze und Gebote. Zum Ausdruck kommen diese Impulse durch bewusste oder durch unbewusste und unbestimmte Gedanken und Gefühle, die als Angst, Ekel oder Hass – schlechte, böse Moral – sowie als Freude, Erhebung und Liebe usw. – gute Moral – gewertet werden. Moral hängt jedoch grundlegend von der Familie und von der Erziehung ab, wie aber auch von der Gesellschaft, wobei sie die Summe der Werte und Vorstellungen ist, die ihr zugrunde gelegt und die von den Menschen für richtig erachtet werden, ohne dass dafür jedoch besondere Gründe angegeben werden können. Das, was als ‹ richtig› erachtet wird, gilt als moralisch gut und einwandfrei, wobei von Mensch zu Mensch, von Familie, Volk, Gemeinschaft, Gesellschaft sowie von Religion zu Religion und von Sekte zu Sekte sich die Moralvorstellungen gehörig unterscheiden, folglich also gewaltige Unterschiede existieren. Moral kann sich folglich auf die Sitten einer Gemeinschaft, Gesellschaft, einer Organisation, Religion oder Sekte, wie auch auf die Handlungen, Aussprache, Taten und Verhaltensweisen einer einzelnen Person beziehen. Das Gebiet der Moral, eben all das, was sich mit dem moralischen Handeln und den gesamten moralischen Verhaltensweisen beschäftigt, wird mit einem anderen Begriff Ethik genannt. Die Ethik ist die eigentliche Lehre von der Moral, gleichermassen dem, wie die Biologie die Lehre von den Lebensformen ist.

Tugenden
Im Leben des Menschen der heutigen Zeit hinken die Tugenden hinter allen guten und korrekten Verhaltensweisen hinterher, und zwar ebenso seit Jahrzehnten wie die gute und gesunde Moral. Und auch in bezug auf die Tugenden wird heute nicht mehr verstanden, welche Werte diese eigentlich verkörpern. Tugenden sind sehr vielfältig und können folgendermassen definiert und erklärt werden: Der Begriff Tugend entspricht einem Verbalabstraktum und ist abgeleitet von ‹ taugen›, also von einem Verb, dem die Grundbedeutung ‹ geeignet›, ‹ brauchbar sein› und ‹ nützen› eigen ist. Schon vor mehr als 1000 Jahren wurden die Tugenden als Brauchbarkeit und Kraft bezeichnet, später dann auch als Heldentat und Tüchtigkeit. Im Mittelalter dann wurde ein Bedeutungswandel vorgenommen, wodurch der Begriff spezifisch als moralische Bedeutung ausgelegt wurde und damit – ohne dass die Urheber dieser Bedeutungsrichtung irgendwelche Kenntnis von den im Menschen sich manifestierenden schöpferisch-natürlichen ethischen Impulsen hatten – zu einer sittlichen Verhaltensweise. Diese neue sittliche Verhaltensrichtung stand entgegen der Laster- und Sündhaftigkeit sowie gegen alles, was dem Anstössigen, Falschen und Unkorrekten usw. entsprach, was sich in dieser Weise besonders die christliche Religion zu eigen machte und in Anspruch nahm, Urheber der Moralvorstellungen zu sein. Diese Begriffsverwendung Moral bürgerte sich dann schnell ein, wobei durch die christliche Religion und die Moraltheologie dann auch die Keuschheit in den Moralbegriff einbezogen wurde, was aber nur einer Scheinheiligkeit entsprach, die sich bis heute erhalten hat, wenn besonders der priesterlichen und pfäffischen sexuellen Übergriffe auf Kinder und Frauen gedacht wird, die immer wieder zu religionsdistanzierten und ironischen sowie spöttischen Äusserungen Anlass geben.
Als Tugend wird seit alters her auch die Tüchtigkeit eines Menschen in bezug auf die Erfüllung seiner besonderen Aufgaben bezeichnet, wie aber auch die Tauglichkeit einer Sache. Dabei wird die Tugend auch erweitert auf Tiere und auf das Getier, wie aber auch auf ein Körperglied, eben bezogen auf den Zweck, für den es dienen soll. Damit wird in bezug auf die Tugenden auch die Tauglichkeit und Vorzüglichkeit sowie die Vortrefflichkeit in Betracht gezogen. Ursprünglich galt auch die Mannhaftigkeit als Tugend, und zwar insbesondere hinsichtlich der militärischen Tapferkeit. Also war es zu früheren Zeiten so, dass der Begriff Tugend eine Bezeichnung für unterschiedliche Eigenschaften war, die im Rahmen sozialer und moralischer Wertvorstellungen als wünschenswert galten. Ab dem Mittelalter galten dann und gelten weiterhin vier klassische Grundtugenden als besonders wertvoll, und zwar die sogenannten Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Klugheit/Weisheit, Mässigung und Tapferkeit.
Richtungsweisend für die gesamte tugend-moralische Theorie wurde Platons Theorie der Grundtugenden, während für Aristoteles die Tugend der Weg dazu war, das Leben glücken zu lassen, und zwar gemäss dem, dass das Leben dann glückt, wenn der Mensch die Möglichkeiten verwirklicht, die in ihm grundlegend existieren. Also vermutete bereits Aristoteles die moralischen Fähigkeiten im tiefen Innern des Menschen, auch wenn er noch nichts wusste in bezug auf deren Impulse, die durch die schöpferisch-natürlichen Gesetze und Gebote im Menschen vorgegeben sind.
Die christliche Religion beruft sich in bezug auf die Tugenden einerseits richtigerweise auf die zehn Gebote der Bibel, anderseits auch auf die Werte, die Jmmanuel (angeblich Jesus Christus genannt) gelehrt hat, folglich eben die Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, die Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft, Mildtätigkeit und die Sanftheit, was ja des Rechtens ist, da Jmmanuel diese Tugenden ja auch wirklich gelehrt hat. Wie es aber bei einer Religion nicht anders sein kann, wurden natürlich sektiererisch auch die ‹ Reinheit des Herzens› und das Beten, Fasten, der Glaube und die Demut, Hoffnung und Liebe als himmlische Seligpreisung erfunden, und so eben als Tugenden erklärt, was aber der Wirklichkeit widerspricht, weil solche Seligpreisungen resp. Tugenden reinen christlich-religiös-sektiererischen Erfindungen entsprechen, um die Menschen irreführend an einen vorgeschriebenen Glauben zu fesseln. So haben solche angebliche Tugenden rein nichts mit wirklichen Moralvorstellungen zu tun, sondern einzig und allein mit religiösen und sektenmässigen Irreführungen und Lügen.
Nun, Tugenden sind noch deren mehr als die bisher genannten, denn im Laufe der Zeit, eben seit mehr als 1000 Jahren, sind weitere Werte hinzugekommen, wie die Integrität, der Fleiss, die Treue, das Wohlwollen, die Geduld, Gelassenheit und Wahrung der Wahrheit, das Verständnis, Pflegen der Güte und der Menschlichkeit, die Ehredarbringung, Friedfertigkeit und Würde, wie auch der Starkmut resp. die Willensstärke, die Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Bescheidenheit, Tapferkeit, Achtsamkeit, Besonnenheit, Beständigkeit sowie Disziplin. Weiter gelten aber auch Anstand, Friedlichkeit, Aufmerksamkeit, Aufrichtigkeit, Ausdauer, Besonnenheit, Ehrenhaftigkeit, Fairness und Gewissenhaftigkeit, Grossmut, Loyalität sowie Nächstenliebe, Offenheit, Entschlossenheit, Rechtschaffenheit, Selbständigkeit, Sachlichkeit, Selbstbeherrschung, Ordnungssinn, Selbstbestimmung, Ritterlichkeit und Solidarität als Tugenden. Auch Toleranz, Zufriedenheit, Standhaftigkeit, Wärme, Verantwortung, Zuverlässigkeit, Unabhängigkeit, Verstand und Vernunft sowie Verschwiegenheit und Weisheit werden als Tugenden genannt. Auch die Hingabe an eine gute Sache, die Dankbarkeit sowie das Vertrauen, das Vergeben und konstruktive zwischenmenschliche Beziehungen gelten als Tugenden, wie auch das Vermeiden von Lügen. Letztendlich werden noch die Sparsamkeit und Ordentlichkeit als Tugenden bezeichnet, wie auch das Dankesagen und die Höflichkeit, wobei diese beiden Werte jedoch tatsächlich nur je einer Tugend entsprechen, wenn sie ehrlich gemeint sind und effectiv in ehrlicher Weise Dank und Höflichkeit beinhalten resp. nicht einfach einer Dank- und Höflichkeitsgewohnheit entsprechen, ohne dass deren Wert wirklich gegeben ist. Als Tugenden gelten auch die Reinlichkeit und die Pünktlichkeit und eine gute, korrekte soziale und wirtschaftliche Konformität, die in die gedanklich-gefühls- sowie handlungs- und tatenmässigen Verhaltensweisen des Menschen Einlass gefunden haben.
SSSC, 5. Dezember 2013, 1.02 h

RSS-Feed